Presseartikel: Asylbewerber lernen Berlin kennen

Mit vielen interessanten Eindrücken kehrten 75 Asylbewerber aus dem Landkreis Helmstedt von einem Tagesausflug nach Berlin zurück. Besonders beeindruckt waren die Flüchtlinge aus der Samtgemeinde Heeseberg, aus Schöningen, Offleben und Helmstedt vom Reichstagsgebäude mit seiner imposanten Kuppel.

Mit zehn deutschen Begleitern waren die zwei Busse bei dieser Integrationsfahrt unterwegs. Darunter befand sich auch Gabriele Krause, die dreimal pro Woche Sprachkurse des Vereins Flüchtlingshilfe Schöningen im DRK-Zentrum an der Moltkestraße leitet. Dabei wurde die Berlin-Fahrt vor- und auch nachbereitet. Mit 10 Euro mussten sich die Asylbewerber an den Kosten beteiligen. „Ohne die Unterstützung durch die Bürgerstiftung Ostfalen, die Sport-Lotto Stiftung Niedersachsen und das Busunternehmen wäre dieser Ausflug nicht möglich gewesen“, betonte Karl Wilhelm Neubauer, Vorsitzender des Vereins Flüchtlingshilfe.

„Ein Tag in der lebendigen Stadt Berlin ist zu wenig gewesen“, meinte Ati Mobini aus dem Iran. Sie ist erst seit drei Monaten in Deutschland und nimmt am Deutschkursus der Flüchtlingshilfe teil. „Uns hat es sehr gut gefallen, zum Beispiel die 67 Meter hohe Siegessäule und das Schloss Bellevue des Bundespräsidenten und das Brandenburger Tor“, erzählte Mobini. Die vielen neuen Gebäude am Potsdamer Platz beeindruckten die Besucher aus dem Landkreis.

Im Park des Schlosses Charlottenburg machten die Beteiligten eine Pause mit Picknick. Begeistert sind die Besucher von den vielen Kulturen und Sprachen in der Hauptstadt gewesen. „Der Eindruck der Weltoffenheit dieser pulsierenden Großstadt ist entstanden“, ergänzte Neubauer. Die Gäste freuten sich auch über die andere Perspektive bei der Schifffahrt auf der Spree mit Blick auf die rund 1000 Büros der Abgeordneten. Daniel Asmarom aus Eritrea war schon vor drei Jahren in Berlin gewesen. „Nun war es aber interessanter, weil mein Deutsch inzwischen besser ist“, berichtete er. Besonders die Geschichte der Stadt und die Grenzöffnung im Jahr 1989 hätten ihn interessiert. Großartig fand Darin Abudullah die Fahrt mit dem Schiff und das Parlamentsgebäude. Er bedauerte, dass die Gruppe es nicht mehr geschafft habe, dem Fernsehturm auf dem Alexanderplatz einen Besuch abzustatten, um Berlin aus luftiger Höhe betrachten zu können.

Erfreuliches konnte Karl Wilhelm Neubauer noch berichten. „In Berlin nahm ich Kontakte zu drei jungen Schneidern mit Werkstatt für gehobenes Publikum auf; weil in Schöningen ein gelernter Schneider aus Damaskus lebt.“ Der Syrer, der in seiner Heimat eine Nähwerkstatt für hochwertige Waren hatte, erhielt als Teststück einen Smoking, den er nach aufwendigen Vorgaben umarbeiten sollte. „Er hat es gemacht, das gute Stück wurde zurückgeschickt und wir müssen nun die Reaktion aus Berlin abwarten“, erzählte Neubauer. Die Berliner Schneider würden es eventuell dem Syrer sogar ermöglichen, von Schöningen aus für sie zu arbeiten.

(Bericht der Braunschweiger Zeitung vom 19. Juli 2016)